Im Startup-Umfeld hört man leider viel zu häufig, dass der erste Schritt nach einer groben Idee die Suche nach Geldgebern ist. Dass genau das Grundfalsch ist, merken viele Gründer leider erst, wenn es zu spät ist. Dann gehört ihnen nur noch ein (zu) kleiner Teil der Firma und sie sich mit vielen Dingen beschäftigen, die erstmal nichts mit dem Produkt und den Kunden zutun hat.

Beim Bootstrapping ist das anders, denn du startest mit dem was du zu Beginn auf das Konto packst - in unserem Fall waren das 2.000 Euro. Das Geld ist endlich, um nicht zu sagen kaum vorhanden. Und genau das bringt dich in eine komplett andere Situation und führt zu einer komplett anderen Arbeitsweise.

Fokus auf das Produkt, den Kunden UND das Geschäftsmodell

Bootstrapper müssen Geld verdienen und zwar bevor das Konto leer ist. Damit das klappt müssen sie schleunigst ihr Produkt fertig entwickeln und dabei sicherstellen, dass es genügend Leute gibt, die dafür Geld in die Hand nehmen werden. Damit lebst du im hier und jetzt und versucht genau das Produkt zu entwickeln, für das dir Leute das erste Geld geben. Manch einer nennt das Minimum-Viable-Product (MVP).
Da du nicht auf das leere Konto gucken willst gibst du alles, um die Wünsche deiner Zielgruppe zu verstehen. Zu Beginn hast du keine Zeit für „nice to have", du lernst dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Eine Fähigkeit, die viele „Startups im Luxus" niemals lernen.

Effiziente Vertriebskanäle, die langfristig funktionieren

Firmen mit tiefen Taschen können oftmals sehr lange auf Kosten der Profitabilität wachsen. Es ist keine Kunst jemanden für 100 Euro davon zu überzeugen bei dir etwas für 90 Euro zu kaufen und wahrscheinlich skaliert dieser Quatsch sogar, so dass du eine Menge Kunden gewinnst. Langfristig wird es dennoch nicht funktionieren.

Bootstrapper sind gezwungen sich auf die effizienten und profitablen Kanäle für die Vermarktung zu konzentrieren, auch wenn man auf diesem Weg nicht über Nacht bei aller Welt bekannt sein kann.

Last, but not least: Es ist deine Firma

Ideen sind nichts wert, daher hast du am Ende nicht mehr viel von „deiner Firma" wenn dir jemand Geld gibt, obwohl du außer der Idee nicht viel vorzuweisen hast. Und es gibt dutzende Fälle, wo der gepitchte Geldgeber sich angesichts der fehlenden Substanz direkt jemanden eingestellt hat, der die Idee für ihn umsetzt. Damit gehört ihm alles und du guckst in die Röhre.
Anstatt dich mit vagen Erwartungen und schicken Folien zu beschäftigen, solltest du die Zeit lieber in dein Produkt investieren. Ob deine Idee irgendwie funktioniert siehst du relativ schnell und nach einigen Jahren sind es zwei Welten, ob du dein eigener Chef bist oder der verlängerte Arm des Boards.


Die langfristig größte Auswirkung der Entscheidung für Bootstrapping wirst du bei dir selber sehen. Deine Welt ist das Produkt, deine Bezugsgruppe sind deine Kunden. Keine Selbstverständlichkeit. Und dein Produkt ist die Grundlage für deinen langfristigen Erfolg. Gute Produkte vermarkten sich von selbst. Gute Firmen profitieren von enormen Empfehlungsraten im Vergleich zu dem Laden mit der größten Vertriebsarmee.


Alternativen zum Bootstrapping?

Aus meiner Sicht gibt es zu Beginn keine sinnvolle Alternative zum Bootstrapping. Warum das so ist erfährst du sicherlich zwischen den Zeilen in den anderen Bootstrapping-Beiträgen hier.

Und was denkst du? Schreib einen Kommentar, ich freue mich auf deinen Beitrag.

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